Statt eines Rückblicks:

 

30 Jahre BIRL

30 Jahre sind im Leben eines Menschen eine lange Zeit. 30 Jahre rechnet man auch als Wirkungs-Spanne einer Generation. Diejenigen BIRL-Aktiven, die jetzt zwischen 50 und 60 Jahre alt sind (und noch darüber) waren also junge Leute, als „es losging“ 1975, dem „Europäischen Jahr des Denkmalschutzes“. Lübeck feierte damals den Denkmalschutz auf seine Weise mit, nämlich durch eine Abbruch-Orgie ohnegleichen. Allein in der Fleischhauerstraße gingen 1974/75 16 historische Häuser „zu Boden“.

Heute ist das Abbrechen von Altstadthäusern gründlich verpönt. In Lübeck gelten Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen. Die Sanierung hat sich auf einer qualitativ hohen Ebene eingependelt. Dem Denkmalschutz geht es vergleichsweise gut, weil er sich immer noch weitgehender Akzeptanz in der Bevölkerung sicher sein kann. Hintergrund dieser Entwicklung war die „Denkmalbegeisterung“ der 1970 und 80er Jahre. An allem hatte die BIRL ihren kleinen Anteil. Die BIRL müsste es also eigentlich nicht mehr geben.

Weshalb wir dennoch guten Mutes weitermachen, sagen wir mit den Worten der ZEIT-Journalistin Evelyn Finger. Unter dem Titel „Canaletto kaputt“ schrieb sie am 3. 11. „Auch Lübeck hat sich auf eine neoliberale Erpressungspolitik eingelassen, derzufolge öffentliche Interessen, also auch die Stadtplanung (aus BIRL-Sicht wird ausdrücklich die Denkmalpflege dazugesetzt) hinter unternehmerischen Belangen zurückzustehen haben … Mittlerweile lässt sich mit dem Argument, Arbeitsplätze schaffen zu wollen und Geld in Umlauf zu bringen, fast jeder Unfug begründen … Lübecks Zukunft, schreibt der Denkmalpfleger V.H. … hänge vor allem von der politischen Willensbildung ab. Erste Aufgabe der städtischen Bauverwaltung sei es, den ‚Auswüchsen von Investorenbegehrlichkeiten’ zu begegnen. Aber was, wenn die Begehrlichkeiten der Politik selbst die kühnsten Investorenträume übersteigen?“

Wir haben nur eben Dresden durch Lübeck ersetzt. Lübecker Projekte wie Gründerviertel, „Villen-am-Wasser“, Marktbebauung, Königpassage und andere Maßnahmen von gestern und heute zeigen, dass die Stadt Lübeck angesichts ihrer Finanzlage Investoren-Bewirtschaftung zur zentralen Pflicht-Aufgabe der Ämter gemacht hat. Denkmalpflege und Archäologie, aber auch eine auf Zukunft und Vernunft ausgerichtete Stadtplanung bekommen diese „Weisung“ als erste zu spüren und müssen sie auch noch umsetzen.

Die Felder der BIRL waren und sind die Denkmalpflege, neue Architektur und die städtebauliche Entwicklung. Uns interessiert, wie die Verantwortlichen, die per Amt und Würde zuständig sind, mit den Ressourcen des „Welterbes Altstadt von Lübeck“ umgehen und wirtschaften. Da ist in den letzten 30 Jahren einiges geschehen. Erfolg ist jedoch oft weniger eine Frage des Geldes, sondern des Personals. Die BIRL ist immer noch der Meinung, dass ein Stadtmarketing für mehr gut sein muss als dem Einzelhandel höheren Umsatz zu verschaffen. Wir haben für anspruchsvolle Konzepte wie das „Maastrichter Modell“ geworben, wir haben radikale Verkehrsberuhigung angemahnt, wir haben gefordert, die Denkmalpflege und die Archäologie in ein neues Stadt-Image einzubeziehen, das dem Status eines „Welterbe der UNESCO“ angemessen wäre. Bei Lübecks Verantwortlichen scheint all das völlig folgenlos geblieben zu sein. Wir bleiben aber hoffnungsfroh. Seit 30 Jahren lautet unser Leitspruch „Steht der Tropfen, heult der Stein“, eine sinnige Spruchweishheit des unvergessenen Museums-Manns Gustav Lindtke. Seinerzeit machte man als Mitarbeiter des Museums, des Denkmalamtes, der Archäologie noch den Mund auf, wenn es um die „res publica“ ging.

Gegen das Schweigen, das Irgendwie-Weiterwursteln, gegen das eingebunkerte „Amtshandeln“ sowie das „Flach-Halten des Balles“ beim Denken in öffentlichen Angelegenheiten muss man etwas tun.
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